Die Neuerungen fanden Anklang

„Das Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde“, lautet ein bekanntes Sprichwort. Das gelte auch für Unternehmer und Führungskräfte, erläuterte Claudia Sidler beim Herbstanlass des Gewerbevereins Langenthal. Die Lehrerin, Kursleiterin und Supervisorin gab Tipps und Ratschläge zum Thema „klar reden und beherzt führen“.

Ein etwas anderes Führungsseminar genossen 70 Mitglieder des Gewerbevereins Langenthal beim Herbstanlass im Hotel Meilenstein in Langenthal. Als Gastreferentin erteilte Claudia Sidler aus Reisiswil Ratschläge an Unternehmer und Kaderangehörige, wie sie ihre Führungskompetenz erhöhen können. Die ausgebildete Lehrerin geht dabei unkonventionelle Wege. Sie hat 1998 mit Pioniergeist ein Konzept mit pferdegestütztem Coaching entwickelt (Pferdeseminare), das zur Stärkung der Persönlichkeit sowie zur Erweiterung der Führungskompetenz beitragen soll. Daneben liess sie sich auch zur Fachdozentin von Lingva Eterna ausbilden. Lingva Eterna befasst sich mit der differenzierten Wirkung von Sprache. Die Kombination von Pferdeseminar mit Sprachschulung ermögliche Führungskräfte ihre Aufgaben künftig mit gesundem „Pferdeverstand“ erfolgreich zu bewältigen, betonte Claudia Sidler.

Pferdeseminare als wertvolle Hilfe
Am Umgang mit Pferden lasse sich vieles feststellen und ablesen, begründete sie, weshalb bei ihren Seminaren die Teilnehmer mit Pferden arbeiten. „Unsere Körpersprache zeigt den Pferden, ob wir meinen, was wir sagen. Hier erleben die Teilnehmer, wie kleine Veränderungen unserer inneren Haltung eine grosse Wirkung beim Gegenüber haben. Pferde bieten die einmalige Chance, das Führen live zu erleben“, gab sie zu verstehen. Ein Pferd zeige, ob es jemanden für vertrauenswürdig halte. Das Pferd biete einen neutralen Spiegel, um die Aussenwirkung zu überprüfen. Das führt laut Claudia Sidler zu einer wertvollen Erkenntnis: „Achten Sie ihr Gegenüber unabhängig von Rolle und Funktion. Gelebte Wertschätzung hat eine direkte Auswirkung auf die Firma, das Image, Krankheitstage oder Personalmangel.“

Als Unternehmer oder Abteilungsleiter sei es wichtig, authentisch zu führen, ein Vorbild zu sein. „Pferde haben ein starkes Gespür, ob Ja- oder Nein-Botschaften echt sind. Sie erkennen Widersprüche in der Körperhaltung. Damit lassen sich auch unbewusste Botschaften erkennen, die im Geschäft, aber auch in Beziehungen hinderlich sind.“ Ob jemand geachtet, respektiert und gehört werde, lasse sich in den Pferdeseminaren ergründen. Die Arbeit mit den Pferden bringe noch mehr zu Tage, erwähnte Claudia Sidler, die darauf hinwies, dass es heute eine Kunst sei, die richtige Person am richtigen Platz einzusetzen. Achtsamkeit und Empathie zählten im heutigen Berufsleben zu den Königsdisziplinen. „Horse sense“, wie sie ihre Seminare nennt, würden hier eine wertvolle Hilfestellung bieten.

„Jedes Wort wirkt – immer“
Ihr zweites Standbein widmet sich der Sprachkompetenz. „Jedes Wort wirkt – immer“, machte sie den anwesenden Gewerblern klar. Ein Gespräch beginne erst dann wirklich, wenn der Gesprächspartner empfangsbereit sei. „Sprechen sie ihr Gegenüber wohlwollend mit dem Namen an. So fühlt sich das Gegenüber gesehen und verstanden. So kommen ihre Botschaften an“, erteilte sie einen Ratschlag zum Start eines Gesprächs. Wörter wie „eigentlich“, „vielleicht“, „mal“, „aber“ würden signalisieren, dass sich jemand unsicher und inkompetent fühle. Die häufige Verwendung des Wortes „man“, deute auf ein schwaches Selbstwertgefühl hin. Stattdessen rät Claudia Sidler: „Sprechen sie das Anliegen und die Person höflich und direkt an: Ich bitte sie, diese Abklärung vorzunehmen – statt man sollte dies abklären.“

Führungskräfte würden zudem bei der Erteilung von Arbeitsaufträgen oft die Formulierung verwenden: „Können sie mir den Saal reservieren“… Das sei zwar höflich gemeint, komme allerdings ganz anders an. Kinder würden solche Fragen geradeheraus mit einem Nein beantworten, weil eine solche Fragestellung das rebellische Blut im Menschen wecke. Besser sei die Formulierung: „Bitte reservieren sie mir den Saal.“ Zuletzt empfahl sie den Teilnehmern des Herbstanlasses Druck und Hetze aus der Sprache zu entfernen. Denn jedes „müssen“ und „schnell“ sorge für Druck. „Damit signalisieren sie dem Gegenüber, dass sie fremdbestimmt durchs Leben gehen. Das Gefühl von Eile und Hetze erzeugt Widerstand“, bemerkte die Referentin, die darauf hinwies, dass die Arbeit die gleiche bleibe, wenn man sage: „Ich muss noch schnell die E-Mails beantworten“ oder „heute Nachmittag werde ich mich den E-Mails widmen und die offenen Anfragen beantworten.“ Die Wirkung auf andere Menschen sei bei diesen beiden Aussagen grundlegend verschieden.

textwerk/war